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Flensburger Tagblatt - 19. März 2004

Ein Orchester erzählt eine traurige Liebesgeschichte

Berlioz' "Romeo et Juliette" begeisterte beim Konzert der Landes-Sinfoniker

Flensburg - Christoph Kalies

Flensburger Tagblatt - 19. März 2004: Berlioz' Romeo et Juliette begeisterte beim Konzert der Landes-Sinfoniker

"Was wir hier spielen, ist unglaublich schöne Musik. Ich hoffe, Sie kriegen das mit." Oops! Da hätte sich GMD Gerard Oskamp fast unbeliebt gemacht bei den Klassikfans in Flensburgs Deutschem Haus. Doch schob er ein Zitat von Hector Berlioz nach, der das Verständnis seiner Sinfonie "Romeo et Juliette" nur besonders einfühlsamen Hörern zutraut - also Hörern des Landes-Sinfonieorchesters, schoss Oskamp und besänftigte so seine irritierten Fans.

Tatsächlich sprengt Berlioz' 1839 entstandenes Mammutwerk alle Dimensionen. Der Erfinder der Sinfonischen Dichtung geht hier mit dem Konzept der Dramatischen Sinfonie noch einen Schritt weiter und vertont Shakespeares Drama um eine Liebe, die am Hass zweier Familien tödlich scheitert. Das Werk vereint Oper, Oratorium und Sinfonie. Berlioz verwendet aber nicht Shakespeares Text, sondern einen eigenen, der überwiegend lyrisch reflektierend nacherzählt. Am Schluss wird Pater Lorenzo zur zentralen Figur, der die Montagues und Capulets zur Versöhnung animiert - was Romeo und Julias tragisches Ableben zum heiligen Opfertod erhöht.

Zu hören ist tatsächlich großartige Musik, mit genialen Klangmalereien, die das Orchester zum Erzähler werden lassen. Brachiale Gewalt, festliche Stimmung und endloses lyrisches Aussingen im LiebesAdagio zelebrieren die Musiker mit Treffsicherheit, Elan und großem Atem. In der nächtlichen Szene „Im Garten" wird die ruhige Stimmung von Streicher und Flöten mit einem Männerchor kontrastiert, der hinter der Bühne die Melodien des Festes weiter singt.

Eun-Jin Seo berückt mit ihrem warmen, facettenreich geführten Alt; Giuseppe Jacovo steuert einen eleganten Tenorpart bei. Jacek Janiszewski, der am Landestheater zurzeit als Osmin in Mozarts „Entführung aus dem Serail" brilliert, gibt dem Pater Lorenzo mit kraftvollem Bass viel Pathos. Die vereinigten Kräfte des Flensburger Opernchors sowie des Torsdagskoret und des Helligaandskirkens Kor der Dänischen Minderheit bewältigen den Chorpart mit viel Bravour - wenn auch nach langen Orchesterpassagen manche Einsätze etwas wackeln und man sich beim Streit der Familien mehr Durchschlagskraft wünschen würde - aber da dreht das Orchester auch mächtig auf.

Die Flensburger jedenfalls haben das mit der wunderbaren Musik mitgekriegt und applaudierten begeistert.