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Flensburger Tagblatt - 6. April 2004

Im Wartesaal der Weltmacht

Giacomo Puccinis "Madame Butterfly" mit zeitkritischen Aspekten

Flensburg kal

Flensburger Tagblatt - 6. April 2004 - Giacomo Puccinis Madame Butterfly Eine riesige US-Flagge füllt die Rückwand der Bühne. Hier empfängt der amerikanische Konsul Sharpless die Bewohner Nagasakis. Vor seinem Schreibtisch stehen Reihen billigster Stühle für seine japanischen Bittsteller.

Im Wartesaal der Weltmacht lässt Harald Höferl, Operndirektor am Landestheater, Giacomo Puccinis "Madame Butterfly" spielen. Die Geschichte der Geisha Cho-Cho San, die den US-Offizier Pinkerton heiratet, ohne zu wissen, dass der in Amerika längst eine andere hat, steht ganz im Zeichen des Sternenbanners. Cho-Cho San, die wegen Pinkerton Christin geworden ist und von ihrer Familie verstoßen wurde, ist Opfer einer kolonialen Großmannssucht, die bis heute Konflikte provoziert. Selbst in ihre Privatsphäre ein raffiniert ausgeleuchteter Raum aus Papierwänden von Bühnenbildner Wilfried Sakowitz - dringt die Weltmacht ein: In Form eines modernen Kriegsschiffs, mit dem Pinkerton drei Jahre nach der Hochzeit zurückkommt, um Madame Butterfly das gemeinsame Kind wegzunehmen. Ihr bleibt nur der Selbstmord. Mit dieser Deutung hebt Höferl seine Inszenierung wohltuend vom operettenhaft aussagelosen Folklorismus ab. Sicher, es gibt auch hier tippelnde und dienernde Klischee-Japaner. Aber das hielt man wohl für nötig, um angesichts des im italienischen Original gesungenen Werks das Verständnis zu erleichtern. So agieren auch die Darsteller mit klaren, unmissverständlichen Gesten.

Flensburger Tagblatt - 6. April 2004 - Giacomo Puccinis Madame Butterfly - Unerwiderte Liebe: Cho-Cho San (R. Urderean) und Pinkerton (G.Jacovo) Foto: StaudtRuxandra Urderean spannt als Cho-Cho San den Bogen vom jungen, naiven Mädchen über die leidenschaftlich Liebende zur tragisch verzweifelten Frau. Gesanglich schafft sie das durch vielfältige Farbnuancen und eine große dynamische Bandbreite. Giuseppe Jacovo überzeugt als selbstgefällig-arroganter Pinkerton, den am Ende doch Schuldgefühle packen. Seine junge Tenorstimme entfaltet sich am schönsten im Liebesduett am Ende des ersten Aktes.

Ansgar Hüning gibt mit edlem Bariton einen jovialen Konsul Sharpless, Eun-Jin Seo begeistert als Dienerin Suzuki mit klarem Alt. Und Helmut Tromm kann als Heiratsvermittler Goro in einer Charakterrolle brillieren. Auch die übrigen Rollen sind gut besetzt. Und der Opernchor agiert sicher und kraftvoll.

Kapellmeisterin Hsiao-Lin Liao entfacht mit dem Orchester ein wahres Klangfeuerwerk. Die kraftvoll besetzten Blechbläser agieren präzise. Die Streicher steuern zarten Klang bei; und die Holzbläser setzen weitere Farbakzente in dieser Partitur, die durch fernöstliches Kolorit glänzt. In hochdramatischen Passagen werden die Sänger zwar manchmal übertönt. Dennoch überzeugt die Inszenierung auch musikalisch.